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Das Leben japanischer Bilder
Laufzeit 9.11.2012 – 28.4.2013


Pressekonferenz: Donnerstag, 8.11.2012, um 11 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

Unter dem Titel Das Leben japanischer Bilder zeigt die Langen Foundation eine Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Melanie Trede, Professorin für Japanische Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg, entstanden ist.

Anders als in der westlichen Kultur wurde das japanische Bild als veränderbares Objekt behandelt, das man zerschneiden, neu montieren und somit einem immer neuen Leben zuführen kann, sei es in Form einer Hängerolle, eines Albumblatts oder eines Stellschirms. Anhand von rund 20 Werken aus der Sammlung von Viktor und Marianne Langen wird diese wechselvolle Geschichte der japanischen Bilder anschaulich gemacht.

Nach unserem modernen Kunstverständnis ist der Akt des Fragmentierens und Umformatierens ein (unzulässiger) Eingriff in die Integrität eines Kunstwerks. Anders in der Geschichte der japanischen Kunst und Kultur. Hier bedeuten Fragmentierungen nicht das Ende eines Bildes. Ein neu formatiertes Teilstück kann andere Betrachtungsweisen ermöglichen, es kann neuen Funktionen zugeordnet und in ein anderes Netzwerk sozialer und politischer Beziehungen eintreten. Bis heute werden Umformatierungen auch aus konservatorischen Gründen vorgenommen. So werden durch den Gebrauch angegriffene Kunstwerke wie Fächerbilder oder Schiebetürenmalereien zum Schutz auf Hängerollen montiert.

Einen entscheidenden Einfluss auf Das Leben japanischer Bilder hatten westliche Sehgewohnheiten. Sie führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Veränderung der Rezeption vormoderner Kunst. Erstmals gab es Museumsausstellungen, in denen die typisch japanischen Formate – Querrollen, Alben oder auch Fächerbilder – in Vitrinen präsentiert wurden. Sie konnten nicht mehr in die Hand genommen werden und waren auf einen bestimmten Bildausschnitt reduziert. Vorbild für die Präsentation von Kunst wurden die gerahmten Tafelbilder europäischer Malerei. Die Hängerolle kommt diesen am nächsten, weshalb sie das bevorzugte Bildformat bei Umformatierungen und Fragmentierungen wurde.

In der Sammlung von Viktor und Marianne Langen gibt es zahlreiche Beispiele von montierten Fragmenten ursprünglicher Querrollen, Fächerbildern und Albumblättern. Vor allem Querrollen wurden zerschnitten und die einzelnen Motive (Malerei oder Kalligrafie) auf Hängerollen montiert. In dieser neuen Form konnten die Werke in anderen Zusammenhängen gezeigt werden. Auch der ökonomische Aspekt spielte bei der Fragmentierung eine Rolle - ließen sich doch durch die Stückelung erhebliche Preissteigerungen erzielen. Die anschließende Montage diente nicht nur als Schutz und Präsentationsfolie der Fragmente, sondern bot auch neue ästhetische Gestaltungsmöglichkeiten. Neben den traditionellen Montierungsstilen entwickelten einige Sammler anhand der Auswahl von Montierungsstoffen einen eigenen Stil, an dem die Bilder ihrer Sammlung erkannt werden können.

Eine Sonderform der künstlerischen Neuinterpretation von Kunstwerken sind die Fächerparavents. Kunstvoll bemalte Faltfächer waren in Japan ein Gebrauchsgegenstand, der jedes Jahr durch einen neuen ersetzt wurde. Besonders schöne und geschätzte Exemplare wurden jedoch behalten, gesammelt und zuweilen auch auf die Paneele von Stellschirmen geklebt. Die dabei entstehenden Arrangements von verschiedenen Stilen und Sujets waren so beliebt, dass einige Malateliers Stellschirme mit direkt aufgemalten Fächern produzierten. In der Sammlung Viktor und Marianne Langen befindet sich ein solcher kostbarer Fächerparavent, auf dem eine Vielzahl von Maltechniken und Themen kombiniert wurden.

Melanie Trede ist seit 2004 Professorin für japanische Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg. Nach ihrem Studium in Berlin, Heidelberg und Tokyo lehrte sie an der Columbia University und am Institute of Fine Arts der New York University. Zu ihren Publikationen gehören u.a. Hiroshige. One Hundred Famous Views of Edo (2007/2010), Kunst aus Japan: Die John C. Weber Sammlung, New York (2006) und Image, Text and Audience: The Taishokan Narrative in Visual Representations of the Early Modern Period in Japan (2003).

Parallel zur neuen Ausstellung im Japanraum präsentiert das Museum bis 17.2.2013 die „Hommage an Marianne Langen“. Die anlässlich des 100. Geburtstages der Sammlerin und Stifterin Marianne Langen (7.12.1911 – 14.2.2004) konzipierte Schau gibt erstmals eine umfangreiche Übersicht über alle Bereiche der Sammlung von Viktor und Marianne Langen.

Eröffnung der Ausstellung: Freitag, 9. November 2012, 18-21 Uhr, um 19 Uhr hält Melanie Trede einen Vortrag über „Das Leben japanischer Bilder“

Informationen und Abbildungen zum Download unter
www.langenfoundation.de

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Maria Schneider
Leiterin der Langen Foundation

 


Parallel zu der großen „Hommage an Marianne Langen“ präsentiert die Langen Foundation im sogenannten „Japanraum“ in loser Folge monografische Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Den Auftakt macht Jan Albers (geb. 1971, lebt in Düsseldorf). Unter dem Titel „parcOurs mOrtale“ stellt er rund 25 Arbeiten aus den letzten drei Jahren vor.
 
Wie verschiedene Künstler seiner Generation arbeitet Jan Albers an einem zeitgenössischen Bildbegriff, der sich nicht aus der Tradition der Malerei herleitet, sondern auf künstlerische Fragestellungen der 60er-Jahre rekurriert. In seinen Werken verhandelt er elementare Fragen von Form und Abstraktion. Dabei ist ihm der Entstehungsprozess ebenso wichtig wie die Präsentation seiner Arbeiten.
 
„Ich baue Bilder“, hat Jan Albers seine Arbeitsweise einmal beschrieben. Tatsächlich sind die von ihm verwendeten Materialien und Arbeitstechniken eher im Bereich handwerklicher und industrieller Produktion zu verorten als im Künstleratelier. Zum Einsatz kommen unter anderem Papier, Holz, Blattgold, Keramik, Metallrohre, Kupfer, Anstecker, Acrylfarbe oder Reißzwecke. Diese werden mit zum Teil erheblichem Kräfteeinsatz zerschnitten, gebogen, gewebt oder gestanzt und dann zu rechteckigen Objekt-Bildern verbaut.
 
Für seine Ausstellung in der Langen Foundation hat Jan Albers den extrem langgestreckten Oberlichtsaal in einen „parcOurs mOrtale“ verwandelt. Die Wände wurden weiß überstrichen und durch lange, dunkelgraue Felder strukturiert. Auf diesen Flächen „ereignen“ sich die in Plexiglasboxen gefassten Objekt-Bilder, flankiert von aggressiv in den Raum hineinragenden Metall-Konstruktionen. Den Besucher erwartet kein Ort der Beschaulichkeit, sondern ein dynamischer Parcours, auf dem sich ihm Albers’ „Belästigungskunst“ kraftvoll in den Weg stellt.
 
Jan Albers hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. 2006 erhielt er den Pollock Krasner Foundation Award, 2007 war er Kaiserringstipendiat der Stadt Goslar.
 
Anlässlich der Ausstellung erscheint im Berliner Distanz Verlag die erste umfassende Monografie zu Jan Albers herausgegeben von Christiane Maria Schneider, Langen Foundation. Mit einem Vorwort von Christiane Maria Schneider und Textbeiträgen von Kay Heymer, Brigitte Kölle, Stefanie Kreuzer und Vanessa Joan Müller. 192 S. mit 140 Abb., Hardcover, dt./engl.

 


 

Mit zwei Ausstellungen zu zeitgenössischer und historischer Kunst Japans feiert die Langen Foundation die „Deutsch-Japanische Freundschaft“. Die Langen Foundation ist seit jeher der Präsentation asiatischer Kunst verpflichtet. Das 150 jährige Jubiläum der „Freundschaft Deutschland-Japan" – 1861 wurde ein Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Japan und Preußen geschlossen – ist willkommener Anlass für eine Doppel-Präsentation historischer und zeitgenössischer japanischer Kunst. Das Land NRW und die Landeshauptstadt Düsseldorf als Zentrum japanischer Kultur und Wirtschaftslebens in Deutschland begehen das Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen. Zu den zentralen Highlights gehören die Ausstellungsaktivitäten der Langen Foundation. 

Neben der bereits laufenden Präsentation "Stellschirme der Edo-Zeit" aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen sind ab dem 17. Juli bis 6. November 2011 die beiden Ausstellungen zu sehen: "Takehito Koganezawa: Particle Tickle." Eine Präsentation von zwei großräumigen Licht- und Videoinstallationen des in Berlin lebenden japanischen Künstlers (geb.Tokyo 1974) sowie "Visual Stories - Japans Bilder erzählen: Bildrollen – Manga – Anime". Eine Ausstellung, die historische Bildrollen aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen mit zeitgenössischen Manga und Anime in Verbindung bringt.

Der Künstler, Takehito Koganezawa, wird anwesend sein.


 

Einladung zur Pressekonferenz

Donnerstag, den 10. Februar 2011, 11:00 Uhr

Kunst aus über zehn Jahrhunderten. Das Spektrum der Langen Foundation ist
breit gefächert und bietet viele Möglichkeiten, konsequent aus dem Bestand heraus
zu arbeiten und gleichzeitig durch eigenwillige Bezüge Kontrapunkte zu setzen oder
Verdichtungen zu schaffen. Die neue Ausrichtung, für deren konsequente
Umsetzung seit ihrer Berufung im Herbst 2010 die Kuratorin Christiane Maria
Schneider steht, stellt dies nun mit ihrem ersten großen, dreiteiligen
Ausstellungsprojekt unter Beweis.

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