Systemanalyse

New Yorker Künstler

14. Februar - 3. Juli 2011

Die Ausstellung Systemanalyse gibt einen Einblick in die Arbeiten einer Gruppe jüngerer Künstlerinnen und Künstler aus New York. Liz Deschenes, Wade Guyton, Eileen Quinlan, Blake Rayne, Reena Spaulings und Cheyney Thompson verstehen sich zwar nicht als Gruppe, sind aber befreundet und teilen das Interesse für Fragen nach der Entstehung und den Bedingungen von Bildern heute. So kennzeichnet es ihre Arbeiten, dass sie in hohem Mass Reproduktionstechniken einsetzen und neben Fotografie und Siebdruck auch Computer, Scanner, Drucker oder Kopierer benutzen, um die Möglichkeiten zeitgenössischer Kunstproduktion auszuloten. Obwohl sie sich in ihren meist abstrakten Bildern deutlich auf die Malerei der Moderne beziehen, unterlaufen die Künstler dadurch konventionelle, an Inhalten ausgerichtete Lesarten von Bildern. Sie analysieren das System der Kunst, indem sie seine Grundlagen und Bestandteile untersuchen: statt Motiven, Bildinhalten oder ikonografischen Bezügen treten Technik, Produktion und Präsentation in den Vordergrund. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit umgelenkt und die Bilder und Objekte dienen vor allem als Instrumente, die den Blick öffnen für die Netzwerke, deren Teil sie sind.

So entstehen etwa Wade Guytons „Printer Paintings“, indem er grundierte Leinwand durch einen Tintenstrahl-Drucker zieht, die neueste Malerei Blake Raynes wiederum ist das Ergebnis verschiedener Arbeitsschritte, bei denen sich technologische ebenso wie chemische Prozesse überlagern, während Cheyney Thompson einen Ansatz wählt, der systematisch Elemente der Malerei wie Formate oder Signaturen durchdekliniert, wobei er in seinen Gemälden Handarbeit und digitale Scans verbindet. Die beiden mit Fotografie arbeitenden Künstlerinnen verzichten bewußt auf digitale Methoden und setzen auf low-tech Arbeitsweisen. Eileen Quinlan produziert ihre Abstraktionen mit Hilfe eines einfachen Tisch-Fotostudios, in dem sie reflektierende Oberflächen und Spiegel mit stofflichen Materialien arrangiert. Ganz ohne Kamera entstehen die Photogramme von Liz Deschenes, hochglänzende monochrome Bilder, die aktiviert werden, sobald sich in ihnen ihre Umgebung und die Betrachter reflektieren. Das Künstlerkollektiv Reena Spaulings schließlich unterminiert als fiktive Künstlerpersönlichkeit, die gleichzeitig eine New Yorker Galerie führt, nicht nur die institutionellen Strukturen des Systems. Wenn Reena Spaulings darüberhinaus in ihre künstlerischen Entscheidungen bewußt zufällige äußere Gegebenheiten einfliessen läßt und mit Fragen der Autorschaft spielt, wird damit ein neues künstlerisches Selbstverständnis formuliert, das alle Künstler der Ausstellung verbindet.

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