Skulpturen asiatischer Gottheiten

aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen

22. November 2009 - 16. Mai 2010

Der Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Erde und fand wie der Buddhismus und Jainismus seinen Ursprung in Indien. Heute ist er die meist verbreitete Religion in Indien, Nepal und Bali. Die Ausstellung »Skulpturen asiatischer Gottheiten aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen« befasst sich neben dem Hinduismus auch mit dem Buddhismus, der viertgrößten Weltreligion, und dem Jainismus. Letztere ist wie auch das Christentum und der Buddhismus eine Stifterreligion und bezieht sich auf die historische Persönlichkeit Mahaviras.

Als Viktor und Marianne Langen 1959 das erste Mal nach Indien reisten, wurde ihr Interesse für die Ausdrucksformen des Buddhismus, Jainismus und Hinduismus umgehend geweckt und sie begannen Skulpturen der Gottesbilder dieser Glaubensbekenntnisse zu sammeln. Unter dem Titel »Das Gottesbild in Ostasien« wurde die Ausstellung bereits im vergangenen Jahr präsentiert und anschließend in der Kunsthal in Rotterdam gezeigt. Nun wird die außergewöhnliche Skulpturen-Schau, die die Suche nach dem Gottesbild der Religionen Hinduismus, Buddhismus und Jainismus exemplifiziert, in einer veränderten Form im sogenannte Japanraum der Langen Foundation nochmals zu sehen sein.

Bis vor zweitausend Jahren besaßen der Buddhismus, Hinduismus und Jainismus keine Gottesbilder in menschlicher Form. Erst durch die Verbreitung des Theismus und der „Bhakti“ Frömmigkeit, wuchs in Indien der Bilderkult. Fortan existierte eine Vielfalt an göttlichen Erscheinungen, die teilweise menschliche Gestalt annahmen.

Diese Erscheinungen offenbaren sich in den rund 40 Skulpturen in Bronze und Stein aus zwei Jahrtausenden. Die Sammlung göttlicher Skulpturen ist facettenreich in ihren unter­schiedlichen Darstellungen des Gottesbildes und auch in der Herkunft der Werke. Eine der ältesten Skulpturen in der Ausstellung ist ein Bodhisattva-Torso aus Pakistan, der in seiner detaillierten Darstellung realistisch wirkende menschliche Züge einnimmt. Im Gegensatz dazu gibt es Skulpturen wie die tantrische Gottheit mit fünf Köpfen aus Kambodscha, die die menschliche Gestalt in abstrakter Form darstellen, um die Attribute Gottes beispielsweise durch die Vielzahl der Hände und Köpfe und deren Haltung zu verbildlichen. Diese verschiedenen Darstellungsformen der Skulpturen spiegeln die veränderten historischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Länder wider und zeichnen die Suche nach dem Gottesbild nach, die durch die Umwandlung religiöser Kunst entstanden ist.

Eine der auffallendsten Skulpturen der Ausstellung ist der Schreitende Buddha aus Thailand. Dieser trägt das traditionelle Gewand eines Mönches und ist gehend dargestellt. Eine Haltung, die nach der Einführung der menschlichen figuralen Gestalt sehr selten ist. Die Skulptur verkörpert nicht nur die klassische Geste der Schutzgewährung, sondern auch die Symbolik des Gehens – ein wichtiger Hinweis: Denn Buddha ist fortwährend von Stadt zu Stadt gewandert, hinterließ seinen Fußabdruck, der die geistige Eroberung der Welt verkörperte.

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